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Johannes Koch, Ludwigsburger Kreiszeitung vom 8. Juli 2022

Große Traumwelten, kleines Karo

Comic, Knitterlook und Surreales: Der Wettbewerb »Linolschnitt heute« beweist auch in seiner zwölften Auflage, wie frappierend aktuell die mitunter belächelte Drucktechnik sein kann. Inhaltlich dominiert in diesem Jahr besonders ein Thema...

 

»(...) Hier reiht sich auch schon der Drittplatzierte des Wettbewerbs ein: Florian Haas hat mit seinem über 14 Meter langen, aus zehn Einzelblättern bestehenden Werk »Coronapark« die fünfköpfige Jury überzeugt. Allein die imposante Größe spiele keine Rolle, wird immer wieder betont, und doch beweisen Arbeiten wie die des gebürtigen Freiburgers, dass mit Linolschnitt manches möglich ist, das andere Drucktechniken nicht hergeben. Haas` Schwarz-weiß-Werk ist eine Art Zeitstrahl der Coronakrise: von Ischgl bis zur Impfung. In kunstvoll ausgekleideter Symbolik werden zentrale Elemente der vergangenen knapp zweieinhalb Jahre in einen dynamischen Fluss gebracht. Ein mittelalterlicher Totentanz erinnert daran, dass im Tode alle gleich sind, davor und danach diverse Viren mit grimmigen Gesichtern, Verweise auf die Klopapier-Krise, Corona-Partys und Skelette an Homeoffice-Computern.
(...) Alum Lee hat mit »Karomuster No. 1-No. 100« den zweiten Platz errungen und dabei eine echte Fleißarbeit vollbracht. Eigentlich habe sie aus einem Karo-Stoff nur eine Tasche machen wollen, erzählt sie, dafür lag der Stoff auf dem Boden – und sie trat versehentlich darauf, so dass plötzlich eine spannende Struktur entstand. Drei Jahre lang hat ihre hundertteilige Serie gebraucht, denn jedes einzelne der rechteckigen Felder hat eine andere, täuschend echt wirkende Struktur. Zudem fing die gebürtige Südkoreanerin, die in Hamburg lebt, zunächst damit an, die Faltenwürfe mit Tinte auf Leinwand zu bannen, um möglichst schnell zu sehen, wie der optische Effekt sein würde. Darauf habe sie je Linolplatte zwei Tage gebraucht, »viel Meditation, viele Gedanken, viel Spass«, wie sie sagt.
(...) In fast jeder Hinsicht anders kommt die dreiteilige Serie (»An der Steilküste«, »Der Spiegel«, »Vollmond 1«) daher, für die Philipp Mager den ersten Preis erhält. Was bei dem gebürtigen Kölner und Wahl-Berliner besticht, ist die kraftvoll-schillernde Farbigkeit seiner Linolschnitte, die nur dank eines aufwendigen mehrstufigen Verfahrens und entsprechender auch malerischer Fähigkeiten erzielt wird. Von »faszinierenden Bildwelten zwischen Traum und Alptraum« schwärmt Schenk-Weininger. »Es ist begeisternd, was aus dem Medium alles herauszuholen ist.«
(...) Beachtenswert sind aber ausnahmslos alle der 44 gezeigten künstlerischen Positionen der Ausstellung. 
(...) Zwischen Surrealem, Geknittertem, Comic-Adaptionen und Animationsfilmen finden sich auch Werke von ukrainischen Künstlerinnen, die – wenn auch vor dem russischen Angriffskrieg entstanden – in ihrer Motivik, etwa von städtischen Ansichten, aktuell in einem besonderen Licht erscheinen. Bereits ein Ausblick auf das Kernthema des nächsten Wettbewerbs?«