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Johannes Koch, Ludwigsburger Kreiszeitung vom 8. April 2022

Eine Galerie wird zum Basar auf Zeit

Die fünfköpfige Jury des Wettbewerbs »Linolschnitt heute« brütet über Werken und Serien von 123 Künstlern aus aller Welt

»So ziemlich im Ausnahmeszustand hat sich in den vergangenen Tagen die Städtische Galerie befunden: Wo sonst der Kunstfreund flaniert, liegt, gebettet auf großen Papierbahnen, Kunst aus aller Welt. Aber nicht irgendwelche. Der Bietigheimer Wettbewerb »Linolschnitt heute« wird seit 1989 alle drei Jahre ausgerichtet und hat mittlerweile einen internationalen Rang, weil er in seiner Form – aussließlich aktuelle Linolschnitte werden beurteilt – weltweit einzigartig ist. Einsendungen kommen auch in diesem Jahr etwa aus Australien, den USA und natürlich ganz Europa, sogar aus der vom Krieg gebeutelten Ukraine. Für die stets fünfköpfige Jury ist es ein Mammutprojekt in mehreren Runden. Das gesamte Gebäude ist mit den Arbeiten von jenen diesmal 123 Künstlern gepflastert, die aus ursprünglich 463 Bewerbungen per Foto vorausgewählt und durch vormals schon erfolgreiche Teilnehmer ergänzt wurden. Jeder Künstler kann bis zu drei Werke oder Serien einreichen. Auch logistisch ist das eine Herausforderung. Sechs Wochen lang – das ist etwa das Zeitfenster der Einsendungen – klingeln mehrmals täglich Paketdienste und Speditionen an der Tür der Städtischen Galerie, um frische Ware zu bringen. Nun streift die Jury durch die Galerie, einzeln und in der Gruppe, um in mehreren Runden Werke auszusortieren,die nicht in die engere Wahl kommen. Gesucht werden die drei mit 5000, 3000 und 2000 Euro dotierten Hauptpreise sowie die drei Ankäufe für die städtische Sammlung. Zudem werden etwa ein Drittel, also rund 40 Künstler, im Juli in der Galerie in einer Ausstellung präsentiert. Statt mit Namen sind die Drucke mit Zahlen versehen – die Anonymität soll gewahrt werden, um keine voreiligen Urteile zu fällen. Auch wenn der Kenner natürlich den einen oder anderen prägnanten Stil sicherlich wiedererkennt. Wenn eine dieser Nummern rot durchkreuzt wurde, ist das kein gutes Zeichen, denn es bedeutet: die Reise ist zu Ende, schnell werden diese Arbeiten in ihre Mappen oder Kartons befördert und weggepackt. (...)
Die Vielfalt der Stile und Motive auf diesem Basar der Kunst ist jedenfalls frappierend: hier der berühmte Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau 1970 aus verschiedenen Perspektiven, dort zwei großformatige Arbeiten auf Tuch mit Motiven der Kinderserie »Peppa Wutz«. Es gibt aber auch Landschaftsansichten, Surreales, Pop-Art-artiges, Folkloristisches aus Mittlelamerika. Gruppiert werden möglichst stilistisch ähnliche Arbeiten, um die unterschiedlichen Qualitäten besser einordnen zu können. Oben im Altbau gibt es einen kleineren Raum, der ursprünglich sechs eher geometrische, abstrakte Arbeiten versammelte – nach wenigen Stunden ist davon nur noch die Nummer 461 übrig. (...)
Eineinhalb Jahre beschäftigt die Galerie der Wettbewerb immer, mit Vor-und Nachbereitung. Aber was tut man nicht alles für ein weltweites Alleinstellungsmerkmal. «