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Alfred Drossel, Ludwigsburger Kreiszeitung, 28. Oktober 2022

Auf fruchtbaren Boden gefallen

Eine neue Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen stellt die niederländische Künstlergruppe De Ploeg vor. Diese ist hierzulande weitgehend unbekannt - zu Unrecht, wie die Schau beweist.

»Einmal im Jahr widmet die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen eine ihrer Ausstellungen einem Thema der Klassischen Moderne. Dass dabei häufig der Expressionismus beleuchtet wird, hat dem geschickt in die Altstadt eingefügten Haus in der Fußgängerzone im Laufe der vergangenen drei Dekaden nicht nur intern eine weitreichende Expertise für diese Stilrichtung eingetragen, sondern auch ein diesbezüglich versiertes Publikum geformt. Mit der Schau »Avantgarde in den Niederlanden – die expressionistische Künstlergruppe De Ploeg« stellt die Städtische Galerie nun eine Künstlervereinigung vor, die hierzulande als nahezu unbekannt gelten darf. 
»In den Niederlanden sind De Ploeg so etwas wie ein Nationalheiligtum, in Deutschland kennt diese Künstler fast niemand«, sagt die stellvertretende Galerieleiterin Dr. Petra Lanfermann, auf deren Initiative die sehenswerte Ausstellung zurückgeht. Die in Emden geborene Kunsthistorikerin ist eine ausgewiesene Kennerin der niederländischen Kunst und hat die Schau, die anschließend in Itzehoe, Erfurt und Ahlen zu sehen sein wird, auch kuratiert. Anknüpfungspunkt war die vor einem Jahr gezeigte Ausstellung »Ernst Ludwig Kirchner. Tierleben in den Davoser Alpen«, in der auch dessen Künstlerfreundschaft zu Jan Wiegers thematisiert wurde. Der niederländische Maler gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1918 in Groeningen ins Leben gerufenen Künstlergruppe De Ploeg, ihm und drei weiteren Gründungsmitgliedern ist hier in Bietigheim je ein Einzelkabinett im Zwischengeschoss gewidmet. Wie groß der Einfluss Kirchners auf Wiegers gewesen, wie sehr aber diese Saat auch »auf einen fruchtbaren Boden gefallen ist« (Lanfermann), belegen die Gemälde und Holzschnitte der Wiegers-Koje eindrücklich. (...)
In manchen Punkten lassen sich durchaus Parallelen zwischen De Ploeg und der deutschen Künstlergruppe Die Brücke aufzeigen: Zurückweisung akademischer Ansprüche, eine neue Unmittelbarkeit und gruppendynamische Prozesse, Aktionen und Anstrengungen wie eine gemeinsame Kalenderedition oder eine Hauszeitschrift prägten auch die Entwicklung von De Ploeg, die im Unterschied zur Brücke allerdings nicht durch eine Manifest zusammengehalten wurden. Das erklärt auch das ungleich vielgestaltigere Bild, das die niederländische Künstlergruppe abgibt: Neben dem expressionistischen Hauptstrom konnten sich mit Künstlern wie Wobbe Alkema oder Jan van der Zee zeitweise eine abstrakt-konstruktivistische Nebenströmung entwickeln, die Anklänge an die Kunstauffassung der einflussreichen, ebenfalls niederländischen Künstlergruppe De Stijl aufweist. (...)«