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Johannes Koch, Ludwigsburger Kreiszeitung, 20. August 2026

Zwischen Eierlauf und Hängematte

Ganz schön verspielt ist die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen - und damit eine ideale Abwechslung an heißen Sommerferientagen.

 

»(...) Denn so simpel das Wort »Spiel« anmuten mag, so vielseitig ist doch seine Bedeutung - erst recht in der Kunst. Und so haben Schenk-Weininger und Co-Chefin Petra Lanfermann mit »Spielwiese Kunst« eine neue Hauptausstellung aus der Hand geschüttelt, die perfekt in die Ferienzeit passt (...). 
Hier kann aus ungewöhnlichen Perspektiven geschaut, mit den Händen gefühlt, geschnuppert und gepuzzelt werden, auch jüngere oder ältere Besucher mit Bewegungsdrang kommen auf ihre Kosten. Und das in den wohltemperierten Räumlichkeiten der Städtischen Galerie. Die knapp 140 Arbeiten der über 50 Künstlerinnen und Künstler aus 125 Jahren Kunstgeschichte in dieser so sehenswerten wie unterhaltsamen Ausstellung widmen sich entweder unmittelbar oder indirekt dem Spiel oder können auf spielerische Weise erkundet werden. Der etwas andere kuratorische Ansatz beginnt schon im Hauptraum im Erdgeschoss, wo Landschaftsmalereien von Künstlern wie Gustav Schönleber, Walter Strich-Chapell, Adolf Luntz, Otto Kraft und Hermann Rombach mal ganz unkonventionell gehängt wurden: So, dass sich eine durchgehende Horizontlinie ergibt, nebeneinander, Rahmen an Rahmen, aber in schwankender Höhe. Auf an Minigolfbahnen erinnernde Teppichauslegern kann sich der Betrachter niederlassen und mit einem Fernglas die Landschaften in Augenschein nehmen. (...)
In der »VIP-Zone« im Obergeschoss hängt der großflächige Linolschnitt »Nicht das Ende vom Lied« von Thomas Kilpper, der das Konzert des Liedermachers Wolf Biermann 1976 in Köln zeigt - mit zahlreichen Prominenten der deutsch-deutschen Geschichte im Publikum, deren Gesichter der Besucher erraten beziehungsweise zuordnen soll. Währenddessen kann er über Kopfhörer einem Mitschnitt des Konzerts lauschen. Hinter einem Vorhang mit größeren Grifflöchern sind vier Bronze-und Granitplastiken von Leonhard Oesterle postiert, anfassen ist hier ausnahmsweise mal explizit erwünscht. Was verbirgt sich hinter den Stoffbahnen? (...)«