» (...) Die von den beiden Berliner Künstlern Matthias Beckmann und Roland Stratmann für die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen kuratierte Ausstellung zeigt Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografien und Videoarbeiten, die sich im engeren und weiteren Sinne mit der Darstellung von religiösen Artefakten im Kontext von Kunst auseinandersetzen.
Sie setzt mit fünf Großformaten aus Martin Assigs »St. Paul«-Serie ein, in der er zwischen 2009 und 2019 nach seiner Nahtoderfahrung und seiner Begegnung mit der Londoner Saint Pauls Cathedral auf den Spuren des Apostels Paulus und des Malerheiligen Paul Klee über Gebete, den Himmel und Unsterblichkeit nachdenkt. (...)
Der durch seine dokumentarischen Zeichnungen bekannte Matthias Beckmann zeigt einen im Bode-Museum und in der Berliner Gemäldegalerie entstandenen Zyklus von in Museen transferierten Kultgegenständen, die am neuen Ort ihren religiösen Kontext verlieren und sich in ästhetische Objekte verwandeln.
Die Arbeiten der deutsch-iranische Medienkünstlerin Anahita Razmi (...) bewegen sich zwischen bewegtem Bild, Installation, Fotografie und Performance (...).
Ihre in der Ausstellung gezeigten islamischen Talismannhemden sollen ihren Trägern in ihrem Ursprungskontext Schutz, Kraft, Stärke, Glück und Segen bringen. (...)
Marwan Bassiouni fotografiert islamische Gebetsräume aus ihrem Inneren heraus und sucht dabei nach Ausblicken, die sowohl die Einzigartigkeit als auch die Alltäglichkeit des Landes und der muslimischen Gemeinschaft widerspiegeln. (...)
In der hebräischen Bibel spielt die Vorstellung vom Paradies mit dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und dem Baum des ewigen Lebens eine bedeutende Rolle. Miguel Rothschilds umfangreiche Wandarbeit mit 350 Fotografien von Ladenzeilen mit dem Titel »Paradies« zeigt die bleibende Attraktivität der Paradiesvorstellung und zugleich das Spannungsverhältnis zwischen dem als Werbeversprechen genutzten Paradiesbegriff und der nüchternen Realität. (...)
Ana Hupe forscht zu meist als Raubgut in ethnografische Museen gelangten Objekten und den Mechanismen ihres Sammelns, Archivieren und Klassifizierens in musealen Depots. (...)
Ihr Umzug von Israel nach Deutschland hat Michal Fuchs zur Auseinandersetzung mit ihrer jüdischen Identität gebracht. In ihrer Installation »Von dem Land hinabzugehen« steht die mexikanische Dreimasterblume für den mit jeder Migration verbundenen Prozess der Entwurzelung und der Notwendigkeit, sich auf die neue Umgebung einzulassen und dort Wurzeln zu schlagen.
Der als Klosterschüler katholisch sozialisierte Berliner Konzeptkünstler Roland Stratmann ist für seine als Bildgrund genutzten beschriebenen und versandten Postkarten bekannt, auf die er mit schwarzer Tusche zeichnet und diese mit Zitaten in großen farbigen Lettern kombiniert. In seinem Objekt aus der Serie »ArcheNo« lässt er ein Nashorn durch die aufgeschlagenen Seiten einer birmanischen Bibel laufen. (...)
Die dreiteilige Arbeit von Nezaket Ekici & Shahar Marcus widmet sich der Frage, wie im Judentum, im Christentum und im Islam mit veralteten und unlesbar gewordenen heiligen Büchern umgegangen wird.
Die Ausstellung kann dazu anregen, sich wieder einmal mit den Wurzeln seiner eigenen Existenz auseinanderzusetzen und sich zu fragen, was fehlt, wenn Religion fehlt.«
Quelle: Helmut A. Müller, Nordheimer Scheune, 21.3.26


