Quelle: SWR Kultur, SWR, 1.4.2026
»Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt nach wie vor, doch das Interesse an religiösen und existententiellen Fragen ist geblieben. Das zeigt eine Ausstellung der beiden Künstler - Kuratoren Matthias Beckmann und Roland Stratmann in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Zu sehen ist eine Auswahl internationaler Werke, die ebenso humorvoll wie kritisch, aber stets respektvoll der Frage nachgehen, wie Religion auf gelebte Realität trifft. (...)
Weiße Silhouetten für Raubkunstobjekte, die in Benin und Nigeria fehlen
Die aus Brasilien stammende Künstlerin Ana Hupe zum Beispiel hat - wie auf einer Wäscheleine - eine Reihe Stoffbahnen aufgehängt, gefärbt in Indigo-Blau, einem Farbstoff, der tief im kulturellen Erbe Benins und Nigerias verwurzelt ist.
Darauf gebatikt sind die weißen Silhouetten verschiedenster sakraler Gegenstände: ein spiritueller Altar-Kopf aus Benin, eine Axt aus Nigeria für bestimmte Zeremonien. Raubkunst, die heute in Berliner und Dresdner Museen steht - eine Fehlstelle in den Herkunftsländern, die die bleichen Umrisse der Objekte auf den blauen Fahnen symbolisieren.
Sakrale Kunst im Museum haben ihre Funktion eingebüßt
Aber apropos Museum: Da sind noch Skulpturen und Gemälde von Jesus auf dem Palmesel, von der Heiligen Kümmernis - einer Heiligen, die gekreuzigt wurde - oder von Maria. »Es sind alles Objekte, die im christlichen Zusammenhang eigentlich für Kirchen oder für Prozessionen entstanden und hier ihrem Kontext beraubt sind«, erläutert Isabell Schenk-Weininger. »Sie sind jetzt im Museum, werden betrachtet wie andere Kunst auch und haben ihre Funktion eingebüßt.«
Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger deutet auf eine Serie mit Zeichnungen von Matthias Beckmann. Seine Bilder zeigen einen Ausschnitt aus verschiedenen Museumsräumen, wobei der Berliner Künstler besonderen Wert auf die Details gelegt hat: auf das Schild »Notausgang« neben den Heiligenfiguren oder auf die Besucher, die sich vor der Madonna drängeln. Religion trifft auf gelebte Realität. »Unglaublich« - die neue Ausstellung, die hält, was sie verspricht. «


